kwa nini napenda jazz – na kwa nini labda watu wengi hawawezi kuielewa: warum ich jazz liebe und vermutlich viele Leute nichts damit anfangen können…

kwa nini napenda jazz – na kwa nini labda watu wengi hawawezi kuielewa: warum ich jazz liebe und vermutlich viele Leute nichts damit anfangen können…

22. April 2026 0 Von Carmikahindo

Am letzten Wochenende bin ich mit meinem Liebsten ausgegangen.  Zu Weihnachten hatte ich ihm Karten fürs Bonner Jazzfest geschenkt, für ein Konzert in der Bonner Beethovenhalle. Ich kannte den Namen des Künstlers, wusste, den mag er  manchmal hören und gehe als pflichtschuldiges Ehegespons und natürlich Rollifahrerassistenz gerne mit.

Er war sich nicht sicher, ob ich an dem Abend Freude haben würde.   „Mhhh, das ist schon ein Künstler der nicht so gefällig ist, ich hoffe, du kannst dich darauf einlassen“ unkte er mehrfach auf dem Weg. Ich gab zurück:  „Wenn es wirklich schrecklich ist, kann ich es ja machen wie du damals beim Hermann van Veen Konzert und einfach rausgehen, um in irgendeiner Hotelbar in der Nähe ein überteuertes Bier zu trinken.“ Fand ich damals unmöglich, gleichzeitig: was für ein gutes Beispiel für Selbstfürsorge, wenn etwas gerade nicht stimmig ist.

Sowas hätte ich früher nie gemacht, aber ich übe mich ja darin, mich mit meinen Bedürfnissen ernst zu nehmen und autonom zu handeln. Eine Einladung zu selbstverantwortlicher Freiheit. Doch ich war zuversichtlich, denn gleichzeitig war ich einfach auch neugierig, was denn auf mich zukommen würde.

Obwohl wir einigermaßen zeitig  losgefahren sind, hat es dann doch mal wieder länger gedauert, weil die Adenauerallee auch um 18:30 Uhr noch so voll war, dass nur Stop und go möglich war.

Aber dann, welch ein Segen, ein Parkplatz fast direkt vor der Halle. Und immer noch strömende Massen. Wir waren also nicht die letzten.

Und so saßen wir pünktlich um 18:59 Uhr an unseren Plätzen um den Eröffnungsworten der Jazztage zu lauschen.

Nachdem der Veranstalter, und danach unter unwilligem Raunen der über 16 00 Zuschauer in der frisch renovierten Halle der Oberbürgermeister und eine echte Landesministerin ein paar grüßende Worte losgeworden waren, kamen dann die Protagonisten des Abends auf die Bühne:  vier alte Herren, von denen drei schon näher an der 80 als an der 70 sind und auch der vierte die 60 schon erreicht hat. Ein Norweger, ein Deutscher ein Brasilianer und ein Inder. Saxophon, piano, Bass und Percussion 🎷🎹🎸🥁🪘🪇

Angesagt war, ohne Pause werden jetzt zwei Stunden Konzert folgen.

Eine Stimme in mir sagte noch skeptisch: „da wären wir besser noch mal aufs Klo gegangen und außerdem habe ich jetzt schon ein Hüngerchen“

Aber dann zog mich das Geschehen auf der ganz schön weit entfernten Bühne in seinen Bann.

Zu Beginn sang das melancholische Saxophon, während eine tiefe Trommel mir meinen Herzrhythmus vorgab.

Und wie mein Mann neben mir und ganz viele Menschen um mich herum wurde ich einfach nur zur Hörenden.

Wobei das stimmt nicht, ich hatte gleich von Anfang an ein enormes Bedürfnis, mich zu diesem Klängen und Frequenzen zu bewegen. Und so tanzten meine Hände, meine Wirbelsäule, meine Zehen und meine Gesichtsmuskeln, so gut das auf so einem Konzertstuhl geht, ohne die Menschen drumrum in den Wahnsinn zu treiben.

Aber ich konnte nicht anders und ich habe mir erlaubt, mich dieser Musik hinzugeben. Ein weiteres Instrument zu werden, das die Klänge aufnimmt und verwandelt, das pure Resonanz wird.

Es war nicht dauernd fulminant oder überwältigend, es war irgendwie alles vorhanden: zarte, ganz leise Töne,  Monologe und Dialoge, Harmonien und Dissonanzen. Und nie war klar, was als nächstes kommt.

Die Stücke, wenn es denn klar definierte Stücke waren, gingen fast ineinander über und wenn dann zwischendurch mal jemand applaudieren musste, fand ich das hauptsächlich störend. Keiner hat gesprochen, Gesang war allenfalls in rhythmischen Lauten vorhanden.

Doch während ich zuhörte, meist mit geschlossenen Augen, öffneten sich Welten in mir: es gab Momente, da wurde mein Gesicht eng und die Tränen liefen, Augenblicke wo ich im purer Freude auf die Bühne gucken musste, um auch visuell an der Freude teil zu haben, mit der der Percussionist spielerisch und forschend unterschiedlichste Töne und Instrumente zu einem Klangteppich aus Rhythmus verwebte. Und mir schien es als wäre er von jedem neuen Ton genauso überrascht wie ich, während er ihn erzeugte.

Es gab viele Augenblicke köstlicher Präsenz, manchmal einen Tanz mit den Händen und Beinen meines Lieblingsmenschen neben mir und gleichzeitig einen Strom von ganz inspirierenden Gedanken.

In manchen Stücken geriet ich wie in einer Trance Dissoziation fast ins Träumen, in anderen war ich ganz Bewegung, dann wieder ganz Gefühl.

„Das war ein Klangbad“ war Ollis perfekte Beschreibung, nachdem wir zwei Stunden später wieder auftauchten.

Es war ein Eintauchenn in immer wieder neue unvorhersehbare Augenblicke.

Es war Immersion in eine wunderbare Lebendigkeit.

Ganz präsent, eingewoben in die sich ständig verwandelten Momente von Harmonie und Flow. Dann  Dissonanz und Überraschung. Selbst,  wenn ich Gedanken hatte,  waren sie inspirierende Assoziationen zu dem, was jetzt gerade passiert.

Und ein Gedanke hat mich wirklich getroffen und fast überwältigt: wie sehr ist dieses Konzert eine Metapher für Leben. Wie sehr ist live Jazz, vielleicht ja Jazz generell ein Bild fürs Leben.  Und löst auch genau darum so unterschiedliches in Menschen aus…

Ich vermute, Jazzmusik hat Regeln. Und um miteinander improvisieren zu können, muss man vermutlich diese Regeln oder Prinzipien kennen.

Aber Jazzmusik entsteht nicht dadurch, dass man sich an Regeln hält oder einem Schema F folgt. So etwas könnte vermutlich die KI entwerfen.

Die Jazz Musik entsteht, wenn jemand innerhalb des Rahmens der Musik beginnt, sein eigenes Tun zu beobachten und spielerisch zu erweitern. Wenn jemand wirklich in Resonanz geht zu dem, was er erschafft, durch ein Instrument oder seine Stimme.

Wenn er oder sie anstelle eines festen  Schemas wie Strophe Refrain Bridge Strophe blabla durchzuhalten, bei jedem Ton lauscht, um zu herauszufinden,  wohin dieser Ton  ihn oder sie führen wird. Wenn es nicht ausschließlich  um Harmonie oder Gefälligkeit geht, sondern um die Neugierde, welche Resonanz auf meinen  Ton in mir oder meinem Gegenüber nun als nächstes auftaucht. Und wieder von diesem Ton aus den nächsten zu erfinden, während gleichzeitig um uns herum etwas einmaliges und unbekanntes erschaffen wird aus der Sequenz dieser Töne.

Die Musiker auf der Bühne haben jeder für sich mit ihrer Musik stehen können, gleichzeitig wurde das Erlebnis durch jedes Zusammenspiel immer noch großartiger.

Darin spüre ich unendliche Freiheit. Und eine tiefe Bereitschaft, sich aufeinander einzustimmen.

Und während ich dem gelauscht habe, wurde mir klar, das was die Menschen da auf der Bühne gerade tun, tun sie nicht für Applaus oder Bestätigung von außen, obwohl sie das sicherlich genießen können. Mir scheint,  sie tun es, weil es ihnen und ihrer Art in der Welt zu sein entspricht. Und weil sie genau, wie sie sind, andere gefunden haben, mit denen ihr So Sein schwingt.

Sie brauchen mich als Zuhörerin nicht, um Freude an dem zu erleben, was sie da tun. Und in den Soli dachte ich, sie brauchen auch einander nicht, sie begegnen sich frei und aus purer Freude, weil es gemeinsam einfach noch viel geiler klingt. 

Das ist eine wunderschöne Gleichzeitigkeit von Freiheit und Verbundenheit. Von Autonomie und Nähe. Das ist ein ewiges Spiel, in dem auch alle Gefühle ihren Ausdruck finden können…

Das ist tiefes und unwiederholbar kostbares Leben. Ja, es geschieht in einem bestimmten Rahmen, aber es ist nicht kontrolliert oder kontrollierbar. Es dient nicht als Erstes und Wichtigstes  einem Zweck, es dient dem Selbstausdruck der lebenden Menschen. Und die verschieben vermutlich auch den Rahmen immer wieder, indem sie jetzt neu doch mal was ganz anderes ausprobieren. Improvisieren, von der Partitur abweichen und gucken, was dann passiert.

Und damit aus dem Rahmen der Erwartungen heraustreten ins ewige Jetzt neugierigen Staunens.

Als Zuhörerin konnte ich mich da hinein begeben, weil auch ich wenig Vorstellungen und Erwartungen hatte, was da wohl passieren würde.

Ich saß nicht da mit einer Idee, was da gleich passiert. Und ich bin zutiefst dankbar dafür,  dass ich mich einlassen konnte. Dass weder meine Blase noch mein Hüngerchen mich so sehr beherrschten, dass ich mich innerlich ständig abgegrenzt hätte.

Und dass selbst die inspirierenden Gedanken im Kopf nicht so mächtig waren, dass sie mich komplett aus dem Hören herausgerissen haben, sondern ich immer wieder entscheiden konnte, mich meinen Ohren und Sinnen zuzuwenden, wenn meine Gedanken weg galoppiert sind.  Oder genießen konnte, wenn ich in eine traumhafte Trance driftete.

In diesem einlassen und hören wurde mir deutlich, wie sehr ich Jazz liebe, wie sehe ich dieses Leben liebe, auf das ich mich auch immer wieder einlassen darf, damit ich es nicht verpasse in einem  Wust von Erwartungen, Vorstellungen oder Kopfgeburten.

Wie sehr Jazz mich einlädt, meine eigene innere Musik wahrzunehmen, meiner ureigen Melodie zu folgen und mich nicht auf das zu versteifen, was ein anderer tun müsste,  damit es mir gut geht. Denn wenn wir – in uns selbst präsent  – uns dem Leben aussetzen, entsteht zwischen uns etwas freies und wunderschönes, egal ob es gerade harmonisch oder dissonant ist.

Und das kann sich in jedem Augenblick verändern. Nichts davon muss  bedrohlich sein. Ich kann auf jedes Klangerlebnis, das mir begegnet,  meinen nächsten eigenen Ton zurückschwingen lassen.

Ich denke, genau das ist es, was für viele Menschen Jazz herausfordernd macht.

Unser Gehirn liebt Wiederholungen und Vorhersehbarkeit. Es ist eine Projektionsmaschine, das mögliche Zukünfte aus Erfahrungen der Vergangenheit ständig in uns reproduziert. Und damit leider auch ständig eine innere Erwartung aufbaut, wie das, was als nächstes kommt, bitte zu sein hat. 

Genau diese Erwartung kann aber ganz  unmerklich dazu führen, dass ich mit dem, was mir begegnet, Probleme erschaffe.

Denn, wie ich zb.   von Guru Gunther (Schmidt) gelernt habe, ist ein Problem letztlich ein  Unterschied zwischen einem Istzustand und einem imaginierten Sollzustand oder Ideal, der negativ bewertet wird.

Diese Probleme gibt es nicht, sondern wir erschaffen sie durch unsere oft unausgesprochenen und unbewusst vorhandenen Projektionen vergangener Erfahrungen auf etwas, was wir ja noch gar nicht kennen.

Genau solche Vorhersehbarkeit unterläuft Jazzmusik, vor allem, wenn ich sie noch nicht kenne.  Das ist anstrengend, weil es mich herausfordert, mich jeden Moment neu einzulassen.

Und zu merken, was es auslöst, wenn meine Erwartung, dass eine melodische Sequenz harmonisch weitergeht, von der autonomen Entscheidung des Musizierenden plötzlich enttäuscht wird, weil ihm gerade nach einem schrägen Ton ist.

Vielleicht macht mich das traurig, oder wütend. Oder ich verliere die Verbindung und fühle mich einsam.

All diese Gefühle sind ja intensiv. Und wenn ich im Leben gelernt habe, bestimmte Gefühle eher zu verdrängen, kommen sie mir  unangenehm zu nah, wenn die Musik sie spürbar macht. Darum ist Jazz in seiner Uvvorhersehbarkeit anstrengend. Und das Leben eben manchmal auch.

Vielleicht ist deshalb Schlager populärer als JazzMusik. Da gibt es Vorhersehbarkeit, Harmonien, erwartbare Wiederholungen zwischen Strophe und Refrain, den ich bestenfalls sogar mitsingen kann. Da entfliehe ich der Zerbrechlichkeit und Unsicherheit des Lebens in einer Geschichte von Liebe, Jubel Trubel und Heiterkeit. Das schafft auch Gemeinschaft.

In der Regel mit Happy End und ordentlich Kitsch dabei.  Aber irgendwie auch weniger Freiheit.

Schlager ist dann vielleicht mehr eine Erinnerung an meine Sehnsucht nach Sicherheit und Harmonie, ohne die Herausforderung, selbst etwas dafür tun zu können oder zu sein.

Jazz erinnert mich daran, dass es sich jederzeit alles ändern kann und nur der Musiker selbst entscheidet, ob gerade Harmonie oder Dissonanz, Zusammenspiel oder Autonomie stimmig ist.

Als Zuhörerin  der Musik eines anderen kann ich immer nur Zeugin  seines Erlebens sein, ohne zu verstehen oder gar vorhersagen zu können, was ihn oder sie bewegt.

Das wiederum kann mich zu  neugieriger Annäherung oder irritierten Resonanzen bringen,  die  als erstes und wichtigstes ganz viel mit mir zu tun haben. Die ich aber gerne auf den anderen projiziere.

So werde ich in diese lästige Eigenverantwortung entlassen, wenn es darum geht, wie ich reagiere.

Und das braucht immer wieder Bewusstheit und kostet Kraft.

Gleichzeitig schenkt diese Art des Seins unendlich viel Lebendigkeit in allen möglichen Facetten.  Kann ich die dann dankbar umarmen? Oder gibt es Aspekte,  die ich nicht haben will? Und wie gehe ich dann mit mir und dem anderen um?

Ich kenne beides. 

Und darum liebe ich Jazz, der mich an meine Freiheit erinnert. 

Und höre manchmal mit Begeisterung ganz vertraute Schlagermusik, weil sie mich für einen Augenblick in die Illusion von Vorhersehbarkeit und Harmonie entführt, in der ich ganz spielerisch die Verantwortung abgeben und wieder an Märchen glauben darf.

Mir beides zu erlauben, ist Teil meiner Lebensfreude.